Designprinzip 1

1 Wegfall von Prozessen – Ausgestaltung und Kommunikation von Ergebnissen

Für das Szenario der Realtime Mammographie wurden Kriterien aus allen vier Szenarien (Enhances, Obsolesces, Reverses into, Retrieves) ausgewählt, welche die Prozessabläufe, Personen und Situationen am besten beschreiben. Aus diesen wird ein Zukunftsbild gezeichnet, dass die Qualitäten von Echtzeitanwendungen bestmöglich (die Patientinnen betreffend), ausnutzt und somit den Leitgedanken auf soziale Veränderungen legt.

Brustkrebs ist die häufigste Krebsart bei Frauen und statistisch erkrankt jede neunte Frau im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs. Seit 2005 gibt es aus diesem Grund in Deutschland ein nationales Krebsvorsorge Screening-Programm zu welchem alle Frauen zwischen 50 und 69 Jahren alle zwei Jahre zur Untersuchung, der sogenannten Mammographie, eingeladen werden. Bei der Mammographie werden mit Hilfe von bildgebenden Verfahren, wie dem Röntgen, jeweils zwei Aufnahmen der Brust gemacht (medio-lateral und cranio-caudal) um Brustkrebs möglichst bereits im Frühstadium diagnostizieren zu können. Die Patientinnen müssen heute bis zu sieben Tage auf das Ergebnis ihrer Untersuchung warten, welches ihnen postalisch zugestellt wird. Die Zeit des Wartens stellt für die Frauen eine hohe psychische Belastung dar. Zudem können sie durch die gewählte Form der Ergebniszustellung im Falle eines auffälligen, positiven Befundes nicht professionell betreut werden.

Bei positiver Befundung der Aufnahmen erfolgt zeitnah eine Biopsieuntersuchung um den Verdacht zu klären. Auf das Ergebnis der Biopsie muss die Patientin bis zu 14 Tage warten bevor, im Falle eines positiven Befundes, letztlich mit einer Therapie begonnen werden kann. Desweiteren können die Prozessabläufe innerhalb der mammographischen Diagnostik auf Grund vorhandener Organisationsstrukturen von Geräten, Räumen und Personal über-wiegend nur nacheinander abgearbeitet werden. Der gesamte Ablauf von der Diagnose bis zum Therapiebeginn dauert somit bis zu 21 Tage.

Unter Einsatz von Echtzeit erhält die Patientin den Befund der Mammographie unmittelbar nachdem die Aufnahmen von der Brust gemacht wurden, sprich noch in der Praxis. Was zählt ist das Resultat der Untersuchung, der Prozess des Ergebnisses wird durch die simultanen Abläufe und hohen Geschwindigkeiten der Ergebniserbringung irrelevant.

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Die Patientin füllt, wenn sie in der Praxis ankommt, einen Personalbogen aus, damit ihre Daten zügig und digital erfasst werden. Sie wird zu dem Mammographiegerät geführt, welches für die Patientin nur als wandständige Liege in Erscheinung tritt. Die Patientin entkleidet ihren Oberkörper und legt sich bauchabwärts auf die Liege. In der Liegefläche ist eine Aussparung in welche die Brüste hinein gelegt werden. Ist die Patientin bereit, startet das System und fährt die Mammographieeinheit aus der Wand unter die Liegefläche. Der Prozess ist leise und für die Patientin unsichtbar. Es werden jeweils zwei Aufnahmen der Brust gemacht (medio-lateral und cranio-caudal) ohne dass die Patientin ihre Position verändern muss (1). Nachdem die Aufnahmen gemacht wurden, fährt die Mammographieeinheit zurück in die Wandnische und die Patientin kann sich anziehen und zurück in den Wartebereich gehen. Sie verbleibt bis zum Resultat der Untersuchung in der Praxis.

Unmittelbar werden die digitalen Aufnahmen vom Mammographiegerät in die Cloud der Patientin gesendet und zeitgleich wird über einen Algorithmus die Abfrage nach freien Radiologen ausgelöst, welche die Bilder beurteilen sollen. Die Radiologen können von ihrem mobilen Auswerteplatz aus von überall arbeiten.

Da es in der medizinischen Praxis üblich ist zwei voneinander un-abhängige Radiologen die Bilder bewerten zu lassen, um den Befund sicher zu verifizieren, kann die Diagnose nun simultan erfolgen (2). Die Ergebnisse werden als multiple Datei in einem Layer auf den ursprünglichen Mammographieaufnahmen visualisiert (3) und zurück in die Cloud geschickt, so dass ein Bild mit gesteigerter Informationsdichte entsteht.

Durch die Konsensuskonferenz als elektronische Interaktion zwischen den beiden Radiologen und dem behandelnden Arzt der Patientin wird der Befund abgeglichen um weitere Schritte zu planen. Das Ergebnis wird ebenfalls zu den gelayerten Mammographieaufnahmen als weitere Schicht abgespeichert. Das Bild ist mittlerweile so dicht prozessiert, dass nur mit Filtern losgelöste Informationen aus den einzelnen Layern abgerufen werden können.

Der gesamte Ablauf bis zur sicheren Bestimmung des Befundes benötigt nunmehr unter 60 Minuten. Da die Patientin während dieser Zeit in der Praxis wartet, wird sie dort auch über den verdächtigen Befund informiert und in einem psychologischen Gespräch aufgefangen, um das Ergebnis zu verstehen und zu verarbeiten.

Im Falle eines bestätigten, auffälligen Befundes ist eine weitere Abklärungsdiagnostik erforderlich, um den Tumor genau zu bestimmen, zu vermessen und zu lokalisieren. Es werden dazu weitere Mammographieaufnahmen angefertigt oder es wird mit interventionellen Methoden wie der Gewebeprobe (Stanz-Biopsie, Vakuumbiopsie) gearbeitet (4). Die Patientin wird zur Biopsie gebeten. Dazu wird sie erneut zum Mammographiegerät begleitet, wo sie ihren Oberkörper entkleidet und sich bauchabwärts auf die Liege legt. Erst nachdem die Patientin bequem liegt fährt diesmal die Biopsieeinheit des Gerätes aus der Wand, unter die Liegefläche, um die Gewebeprobe (5) der auffälligen Brust zu entnehmen. Ist das Gewebe entnommen, verfährt das Gerät zurück und die Patientin kann nach Hause entlassen werdem.

Die Probe des Gewebes wird auf einen Träger aufgezogen (6) und an den Pathologen gesendet, der die Probe während der nächsten Stunden befundet. Bei nicht gesicherten Diagnosen ist eine zweite Meinung einzuholen (7). Das Ergebnis der Biopsie wird als Layer auf dem eigentlichen Bilderdatensatz gespeichtert und mit den beiden vorherigen Ergebnissen zu einem präzisen Befund verdichtet (8).

Im darauf folgenden Schritt muss eine Operation erfolgen um den Tumor zu entfernen (9). Die Patientin bekommt hierzu einen Terminvorschlag nach Hause geschickt. Sie kann sich von dort aus jederzeit mobil über den Status ihres Behandlungsverlaufes informieren und sich bei Rückfragen, von zu Hause aus, an ihren Arzt wenden.

In einer präoperativen Konferenz vernetzen sich der Arzt, die beiden Radiologen, der Pathologe und der Operateur um sich über den Befund (in Form der verschiedenen Layer des Gesamtbildes) und die weitere Behandlung abzustimmen. Der gesamte Ablauf von der Diagnose bis zur zum Therapiebeginn dauert somit maximal 27 Stunden.

Im anschließenden Schritt werden die Ergebnisse der Operation erneut, als finaler Layer, auf dem Gesamtbild gespeichert welches später als Diskussionsgrundlage zwischen dem Mediziner und der Patientin dient, um die nachfolgenden Vorgehensweisen und Therapiemaßnahmen zusammen abzuwägen.

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