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Was wird durch den Einsatz von Echtzeit zurückgewonnen, dass zuvor verdrängt wurde?

In diesem Szenario ist es nicht mehr nötig die Organisationsform des Zentrums aufrecht zu erhalten, da die Mobilität ein gewisses Maß an Zerstreuung mit sich gebracht hat. Menschen und Material gewinnen durch den Geschwindigkeitsschub der Echtzeit an Freiheit, sich überall auf der Welt aufhalten zu können, da sie durch ihre technischen Geräte und Zugänge zu jeder Zeit lokalisierbar sind.

Durch die vollkommene Übernahme von automatisierten Prozessen die von Maschine zu Maschine kommuniziert werden, ist die Geschwindigkeit in diesem Szenario extrem hoch – es gibt demzufolge einen sehr schnellen Medien- und Gerätewandel. Die verstärkt automatisierten Prozesse fokussieren die Kommunikation mit Mensch-Maschine Schnittstellen und Mediziner sowie auch Patienten nutzen eine gewisse Anonymität, da sie sich in diesem Szenario nicht zwangsläufig persönlich begegnen müssen. Die Echtzeittechnologien werden für die umgehende und genaue Erbringung des Resultats und die Ausgestaltung dessen eingesetzt, der Prozess der zu den Ergebnissen führt wird irrelevant und muss nicht mehr nachvollziehbar kommuniziert werden. Was zählt ist allein das Ergebnis, welches möglichst präzise und effektiv prozessiert werden soll. Ein hoher Grad an Automation und Kontrolle ist notwendig um diese hohe Präzision leisten zu können.

Wartezeiten sind verschwindend gering. Laut einer Studie von Donald Davies gibt es bereits heute Anzeichen dafür, dass Nutzer nur bis zu 10 Sekunden auf die Antwort technischer Systeme warten, um dann etwas anderes zu tun.(1)

Durch den schnellen Wandel und die extreme Verdichtung von Informationen werden Werkzeuge und Techniken der Aufmerksamkeitsgewinnung elementar. Alles ist zur selben Zeit und überall präsent und kann synchronisiert werden, so dass Informationen und damit auch Wissen, nicht gelernt sondern nur abgerufen werden müssen. Das Vergessen wird, durch die permanenten, großen Informationsmengen notwendig.

Dieses Szenario wird dominiert von Bildern und visuellen Kommunikationsmitteln, da diese sehr große Mengen an Informationen aufnehmen können und sich als Kopie leicht weitergegeben lassen.

Problematisch ist in diesem Szenario die Aufbewahrung und Langzeitarchivierung von komplexen Daten. Da Welt und Mensch vermessen und vernetzt sind und nahezu alles nur noch in digitaler Form vorliegt, ist es schwierig Objekte in ihrer Kontinuität und Vernetzung zu speichern. Es ist unklar wie die immensen Datenmengen sinnvoll archiviert werden können und wer die Archivierung steuert. Denn in der Regel haben digitale Trägermedien eine begrenzte Haltbarkeit von ca. 20 Jahren, höchstens 30-50 Jahre in denen die gespeicherten Daten lesbar bleiben.

1 Vgl. Davies, D.: Proposal for a digital communication network, Middlesex: National Physical 
 Laboratory, 1966, S. 4